Spessart. Wenn eine Gemeinschaft aus der Asche einer Katastrophe erwächst, besitzt sie oft ein besonders stabiles Fundament. Die Freiwillige Feuerwehr (FFW) Spessart ist das beste Beispiel hierfür: Gegründet im Jahr 1896 als direkte Reaktion auf einen verheerenden Großbrand im Vorjahr, blickt die Wehr heute auf eine stolze, über 130-jährige Geschichte zurück. Mit aktuell 24 aktiven Kameraden und modernster Technik ist die Einsatzeinheit fester denn je in der Region verankert.

Gründungsprotokoll der Freiwilligen Feuerwehr Spessart aus dem Jahre 1896
Vom hölzernen Brunnen zum High-Tech-Löschfahrzeug
Der Auslöser für die Gründung im Jahr 1896 war dramatisch: Ein Großbrand vernichtete 1895 fünf Wohnhäuser, fünf Ställe und sechs Scheunen. Rund zehn Prozent der damaligen Bevölkerung verloren ihr gesamtes Hab und Gut. Die Konsequenz der Gemeinde folgte prompt: Der Bau einer Wasserleitung und die Gründung der FFW Spessart – die damit die erste Feuerwehr im damaligen Kreis Adenau stellte. Damals galt noch die strenge Pflicht, dass aus jedem Haushalt eine männliche Person beizutreten hatte.

Wohnhaus in Spessart um 1930
Die technische Entwicklung seither gleicht einem Quantensprung. Wurde die Wehr um die Jahrhundertwende noch mit einer handbetriebenen Saug- und Druckspritze und einem Signalhorn (Baujahr 1904, heute noch erhalten) alarmiert, folgte 1956 die erste Motorspritze. 1959 sicherte sich Spessart durch eine Finanzspritze an die Amtsverwaltung das erste Feuerwehrauto im gesamten Amt Kempenich.

Erstes Feuerwehrauto im Amt Kempenich 1959
Wie rasant der Fortschritt ist, zeigt ein Blick auf das aktuelle Löschfahrzeug, das nach pandemiebedingter Verzögerung im Jahr 2022 feierlich übergeben wurde. Die dazugehörige moderne Tragkraftspritze fördert rund 2.000 Liter Wasser pro Minute – ein beeindruckender Vergleich zur alten Handpumpe, die es auf gerade einmal 60 Liter brachte.

Historische Feuerwehrspritze aus dem Jahr 1904. Die historische Spritze wird von den Feuerwehrleuten bis heute gepflegt und bei runden Jubiläen – wie dem 130-jährigen Bestehen im Juni 2026 – im Rahmen einer historischen Schauübung der Öffentlichkeit präsentiert.
Zusammenhalt schlägt Rückschläge
Die Chronik der Wehr ist auch eine Geschichte von Kameradschaft und unermüdlichem Ehrenamt. Als 1978 das alte Spritzenhaus abgerissen wurde, brachten die Wehrleute ihre Ausrüstung kurzerhand in privaten Garagen und Hallenanbauten unter. Zwischen 1988 und 1990 bauten die Kameraden ihr heutiges Gerätehaus in beeindruckender Manier selbst aus: Über 1.000 Arbeitsstunden Eigenleistung flossen in das neue Zuhause der Wehr.

LINKS: 1899 wurde dieses Stand- u. Strahlrohr von der Provinzial- Feuerversicherung gestiftet. RECHTS: Signalhorn aus dem Jahre 1904
Die Ausrückegemeinschaft: Vorreiter bei der interkommunalen Kooperation
Um der sinkenden Verfügbarkeit von Einsatzkräften an Werktagen in den 1990er-Jahren entgegenzuwirken, bewies die FFW Spessart erneut Weitsicht. Zum Jahrhundertwechsel schloss man sich mit der Nachbarwehr zur Ausrückegemeinschaft Kempenich-Spessart zusammen.
Diese Kooperation hat sich als wahrer Segen für die Bevölkerung erwiesen. Wie unverzichtbar die gemeinsame Schlagkraft ist, belegt die Bilanz des vergangenen Jahres: 2025 rückte die Gemeinschaft zu insgesamt 34 Einsätzen aus. Das Spektrum reichte dabei von technischen Hilfeleistungen auf der Autobahn über die Bekämpfung von Waldbränden bis hin zu fordernden Starkregeneinsätzen.
Zukunft gesichert
Auch personell müssen sich die Spessarter nicht sorgen. Seit dem Beitritt der ersten Jugendlichen zur Jugendfeuerwehr im Oberen Brohltal im Jahr 2013 ist der Nachwuchs für die aktive Wehr lückenlos gesichert.
„Eine Dorfgemeinschaft kann nur leben, wenn es Zusammenhalt und Teamgeist gibt, wenn die Bereitschaft besteht, einander zu helfen und füreinander einzustehen“, heißt es aus den Reihen der Feuerwehr. Mit ihren 24 aktiven Kameraden setzt die FFW Spessart genau dieses Zeichen – Tag für Tag, rund um die Uhr.
FOTOS Festschrift Freiwillige Feuerwehr Spessart





