Niederzissen. Der Gemeinderat Niederzissen hat in seiner Sitzung am 26. Januar 2026 den Haushaltsplan für das Jahr 2026 einstimmig beschlossen. Zuvor war der Entwurf bereits im Haupt- und Finanzausschuss beraten und dem Rat ebenfalls einstimmig zur Annahme empfohlen worden.
Trotz des geschlossenen Votums bewertet die Gemeinde ihre finanzielle Situation mit Vorsicht. In den vergangenen Jahren sind insbesondere die Personalaufwendungen sowie die Kosten für die Unterhaltung von Anlagen, Grünflächen und gemeindeeigenen Gebäuden deutlich gestiegen. Dieses Ausgabenwachstum führt zunehmend zu einem Ungleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben. Ortsbürgermeister Rolf Hans sprach in seiner Haushaltsrede von einem deutlichen „Warnsignal“ für die finanzielle Lage der Gemeinde.
Auf der Einnahmeseite profitiert Niederzissen von steigenden Erträgen aus der Gewerbesteuer sowie aus dem Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer. Ein erheblicher Teil dieser Mehreinnahmen wird jedoch durch höhere Umlagen an den Kreis und die Verbandsgemeinde wieder aufgezehrt – und das bei unveränderten Hebesätzen. Zugleich belasten zusätzliche Ausgaben in verschiedenen Bereichen den Haushalt. Hinzu kommen mehrere größere Investitionsvorhaben, darunter der Neubau einer Kindertagesstätte, die Erschließung des Neubaugebietes „Oben im Joch“, die Sanierung des Sportplatzes sowie Straßenbaumaßnahmen in den Straßen Bächelsberg und „Im Vogelsang“.
Positiv hervorzuheben ist, dass die Gemeinde auch zum Jahresende 2026 schuldenfrei bleiben wird. Die vorgesehenen Investitionen können vollständig aus vorhandenen Rücklagen finanziert werden. Dennoch, so der Ortsbürgermeister, müsse die weitere Entwicklung insbesondere auf der Ausgabenseite aufmerksam verfolgt werden.
CDU-Fraktionssprecher Tobias Schneider bezeichnete die Finanzlage der Gemeinde insgesamt als stabil. Vorrangiges Ziel bleibe die Sicherung und der Erhalt der gemeindlichen Infrastruktur. Sein Leitgedanke für die zukünftige Finanzpolitik lautet: „Zuerst erwirtschaften, dann investieren – Bewährtes erhalten und Neues mit Bedacht gestalten.“
Für die Wählergruppe Doll betonte Peter Zeller, Niederzissen verfüge über ein gesundes finanzielles Fundament, auf dem dank der vorhandenen Rücklagen weiter aufgebaut werden könne. Auch er stellte den Neubau der Kindertagesstätte als vorrangiges Projekt heraus, mahnte jedoch an, die Haushaltsentwicklung der kommenden Jahre mit Blick auf die anstehenden Investitionen sorgfältig zu beobachten.
Die SPD-Fraktion wurde durch den stellvertretenden Fraktionssprecher Christopher Jeub vertreten. Er würdigte die Einrichtung der Kindertagesbetreuung in gemeindlicher Verantwortung als Pionierleistung im Landkreis und sprach von einem „echten Meilenstein“ für Niederzissen. Zudem begrüßte er die positive Entwicklung im Gewerbegebiet Brohltal Ost.
Abschließend ordnete Bürgermeister Johannes Bell den Haushalt ein. Angesichts der Fehlbeträge von rund 966.000 Euro im Ergebnishaushalt und 666.000 Euro im Finanzhaushalt müsse die weitere Haushaltslage genau im Blick behalten werden. Zwar könnten die Defizite im laufenden Jahr durch liquide Mittel ausgeglichen werden, langfristig sei eine solche Entwicklung jedoch nicht nachhaltig. Die Einschätzung des Ortsbürgermeisters, die Situation als Warnsignal zu verstehen, teile er ausdrücklich. Vor dem Hintergrund globaler Krisen sei eine verlässliche Prognose zur wirtschaftlichen Entwicklung und zu den Gewerbesteuereinnahmen derzeit schwierig. Die im Haushalt veranschlagten Investitionen bezeichnete Bell jedoch als nachvollziehbar und für die zukünftige Entwicklung Niederzissens notwendig.





