Königsfeld. Das Bürgerhaus in Königsfeld war am Sonntag, dem 23. November 2025, bis auf den letzten Platz gefüllt. Rund 70 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung von Ortsbürgermeister Günter Dietzler gefolgt, um gemeinsam an der Zukunft ihres Dorfes zu arbeiten. Unter dem Motto „Königsfeld 2040 – gemeinsam Zukunft gestalten“ fand die erste Dorfkonferenz im Rahmen der Dorferneuerung statt – moderiert und begleitet von Dorfplanerin Nathalie Franzen vom Geographischen Planungsbüro aus Gau-Odernheim.
Schon beim Eintreten in den Saal lag eine besondere Aufbruchsstimmung in der Luft. Zwischen Kaffeetassen und erwartungsvollen Gesichtern eröffnete Bürgermeister Dietzler die Veranstaltung mit den Worten: „Nur gemeinsam können wir unser Dorf weiterentwickeln – heute ist der Startschuss dafür.“
Nach einer kurzen Einführung in Ziele und Ablauf der Dorfmoderation erklärte Nathalie Franzen den partizipativen Ansatz: Alle Anwesenden sollten ihre Sicht auf Königsfeld einbringen und aktiv an der Zukunftsgestaltung mitarbeiten. In der Mitte des Saals stand eine große Pinnwand – sie wurde schnell zum Mittelpunkt des Geschehens. Auf bunten Karten wurden die Gedanken der Teilnehmenden visualisiert: Grün stand für Stärken, Gelb für Handlungsbedarf und Rot für Schwächen. Bald hing die Wand voll mit Ideen – von „guter Dorfgemeinschaft“ und „schöner Lage in der Natur“ bis zu „fehlenden Radwegen“ oder „zu wenig Treffpunkten“.
„Hier entsteht Zukunft von unten“, betonte Franzen. „Die Ideen kommen von den Menschen, die hier leben – das ist gelebte Demokratie.“ Mit einer Geschichte von einer Busreise mit unerwartetem Zeitsprung, bei der die Königsfelder ihr Dorf in 2040 besichtigen konnten, wurde in der Phantasie ein Königsfeld besucht, wie es einmal aussehen könnte, wenn alle Wünsche Wirklichkeit werden. Nicht alles müsse realistisch sein, betonte sie – es gehe um Visionen, nicht um Baupläne.
Nach der Sammlung ordneten sich die Teilnehmenden in fünf Arbeitsgruppen, die unterschiedliche Themenbereiche bearbeiteten. Am Ende des Nachmittags präsentierten sie ihre Zukunftsbilder vor der gesamten Runde – engagiert, kreativ und mit spürbarem Stolz.
Im Themenfeld „Dorfgemeinschaft und Vereine“ stand das Miteinander im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Miteinander füreinander – gemeinsam besser“ entstand die Idee eines Dorfgemeinschaftsvereins als zentraler Struktur für Projekte und Vereine. Eine digitale Informationsplattform soll die Kommunikation verbessern, während neue Begegnungsorte – etwa eine Kneipe, ein Jugendtreff und ein zentraler Dorfplatz – das soziale Leben stärken sollen. „Alt hilft jung, jung hilft alt“ – dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussionen.
Die zweite Gruppe entwarf mit dem Mehrgenerationenplatz eine Art Herzstück für das künftige Dorfleben. Vorgesehen sind Tischtennisplatte, Grillplatz, Outdoor-Küche, Fitnessgeräte, Boulefeld und sogar eine kleine Kneippanlage. Eine Scheune könnte zum Treffpunkt für Jugendliche werden, das renovierte Bürgerhaus soll stärker für gemeinschaftliche Aktionen genutzt werden – vom Kochabend bis zur Krabbelgruppe. Ergänzend schlugen die Teilnehmer einen Dorfgemeinschaftstag, einen Mundartpfad sowie Mitmachaktionen für Kinder vor. Eine Verbindung zum Sportplatz mit einem kleinen Wohnmobil-Stellplatz wurde als charmante Zusatzidee eingebracht.
Die Gruppe Verkehr und Infrastruktur beschäftigte sich mit Mobilität, Sicherheit und Nachhaltigkeit. Königsfelds Hauptstraße soll in dieser Vision künftig verkehrsberuhigt werden, besonders für Kinder und Senioren. Eine sichere Querung an der Neuenahrer Straße, eine bessere Anbindung an die A61 und die Entschärfung des sogenannten Königsfeld-Dreiecks standen ebenso auf der Liste wie ein attraktiverer und verlässlicherer ÖPNV. Auch E-Bike- und E-Auto-Infrastruktur sollen verbessert werden. Das Leitmotiv lautete: „Sicherer, attraktiver und nachhaltiger Verkehr in Königsfeld für Groß und Klein.“
Im Themenfeld Nahversorgung zeigten sich die Bürgerinnen und Bürger vorausschauend. Obwohl Königsfeld mit einer Bäckerei mit Café und einem Nahversorgungsmarkt noch recht gut aufgestellt ist für vergleichbare Gemeinden, gilt es, diese Angebote zu sichern und auszubauen. Die Gruppe diskutierte über eine Erweiterung des Dorfladens nach bayerischem Vorbild und über einen digitalen Service-Terminal, über den Postdienste und einfache Amtsvorgänge erledigt werden könnten. Ziel sei, die Daseinsvorsorge dauerhaft zu sichern – modern, regional und bürgernah.
In der Gruppe Umwelt und Grünflächen lautete das Motto „Grün gewinnt!“. Die Teilnehmenden entwarfen Ideen für Patenschaften von Pflanzbeeten, die Pflege öffentlicher Grünflächen, Nisthilfen und Insektenhotels. Auch eine Baumallee entlang der Straße zum Mehrgenerationenplatz, Kooperationen mit dem NABU und ein Infoabend zum Thema Naturschutz wurden angeregt. Deutlich wurde: Umweltbewusstsein und Dorfschönheit gehen Hand in Hand.
Als die letzten Gruppen ihre Ergebnisse präsentierten, war die Energie im Raum deutlich zu spüren. Es wurde applaudiert, ergänzt, gelacht – ein Gefühl des Aufbruchs erfüllte das Bürgerhaus. Dorfplanerin Nathalie Franzen zeigte sich begeistert:
„Ich bin beeindruckt, wie engagiert hier diskutiert wurde. Die Menschen in Königsfeld wissen genau, was sie wollen – und sie haben Lust, es umzusetzen.“
Auch Bürgermeister Günter Dietzler zog ein positives Fazit: „Das war ein starker Auftakt. Wir haben heute gezeigt, dass Zukunft hier nicht nur gedacht, sondern gemacht wird.“
Die Ergebnisse der Dorfkonferenz werden nun ausgewertet und sollen in den kommenden Monaten mit den Arbeitsgruppen in konkrete Projekte überführt werden. Damit wird der Prozess der Dorferneuerung zu einer lebendigen Gemeinschaftsaufgabe, die Königsfeld langfristig prägen wird.
Weitere Informationen und Impressionen sind unter
👉 www.koenigsfeld-eifel.de/aktuelles sowie unter 👉 www.dorfplanerin.de/koenigsfeld
abrufbar.
(Text: Ralf Breuer)





